Keltisches Versammlungshaus

Jahrtausende altes Rätsel gelöst

Theorien gab es bereits, doch an der Umsetzung wäre jede Theorie gescheitert. Erstmals wurde nun im Freigelände des Urgeschichtemuseums ein keltisches Versammlungshaus rekonstruiert und somit das Rätsel um den Bau derartiger außergewöhnlicher Häuser gelöst.

Die Kulturlandschaft des Weinviertels gibt immer wieder jahrtausendealte Funde preis, die es für Archäologen zu deuten gilt. So auch vor der „Haustür“ des Urgeschichtemuseums Asparn/Zaya. Zwei Orte weiter - in Michelstetten – wurde der Grundriss eines außergewöhnlichen Gebäudes aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. gefunden.

Der Grundriss des Gebäudes weist eine bisher unbekannte Form in Österreich auf. Mit ca. 8 x 7,5 m und vier ungewöhnlich tief eingegrabenen Holzpfosten kann auf eine herausragende Höhe von ca. 6 m geschlossen werden. Zwei Eingänge hatte das Haus, wodurch Archäologen ein Versammlungs- und Kultzentrum vermuten. Derartige Funde waren bisher nur aus Westfrankreich und Süddeutschland bekannt.

Aufgrund der bisherigen Funde aus dem Ausland gab es immer wieder Versuche von Archäologen Rekonstruktionszeichnungen anzufertigen, die allerdings allesamt bei einem tatsächlichen Aufbau nicht anwendbar wären. Im Urgeschichtemuseum wurde das Rätsel derartiger Grundrisse im Zusammenhang mit einem Aufbau nun gelöst. Mit Experimentalarchäologen wurde das Versammlungshaus (2. Jahrhundert v. Chr.) als Modell im Maßstab 1:1 errichtet.

Anhand der Funde in Michelstetten und deren Interpretation können Archäologen wichtige Rückschlüsse auf das öffentliche Leben der Kelten schließen. Bei der Ausgrabung konnten leider keine Hinweise auf seine Einrichtung gefunden werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass in dem Versammlungshaus prunkvolle Waffen, Streitwägen, Pferdegeschirr, Kriegstrophäen und Beutestücke aufbewahrt wurden, die bei Kriegerversammlungen, Festen und Gelagen zur Schau gestellt wurden. Für Gelage und Festmähler waren vermutlich Kochkessel, Bratspieße, Fleischgabeln, Weinkannen, Trinkhörner und Becher vorhanden. „Im Laufe der Zeit wollen wir das Michelstettner Versammlungshaus auch mit Repliken ausstatten, die es dem Besucher ermöglichen Einblicke in die Welt der Kelten zu erhalten“, so Dr. Ernst Lauermann, wissenschaftlicher Leiter des Urgeschichtemuseums. Das Holzgebäude wird von Experimentalarchäologen mit Werkzeugen und Techniken errichtet, die in der Keltenzeit bekannt waren. Das keltische Versammlungshaus ergänzt nun als bedeutendes Gebäude das keltische Dorfensemble im Urgeschichtemuseum.

 

 

 ©