Die archäologischen Ausgrabungen in Gasteil (Gemeinde Prigglitz), die von der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich seit dem Vorjahr gefördert werden, gehen in die zweite Runde. Diesen Sommer erforscht das Archäologenteam unter der Leitung von Peter Trebsche eine Werkstätte, in der vor rund 3000 Jahren Kupfer verarbeitet wurde. Der bislang erste und einzige Fund dieser Art in Niederösterreich gelang im Jahr 1953. Die Entdeckung in Gasteil bringt ganz neue Erkenntnisse über den bronzezeitlichen Bergbau, der im südöstlichen Niederösterreich auf eine lange Tradition seit der Urzeit zurückblicken kann.
Die aufgedeckte Werkstätte besteht aus einem Schmelzofen für Kupfer und einer Arbeitsgrube zur Bedienung des Ofens. Darin wurde das Kupfererz, das in Gasteil geschürft wurde, zu reinem Kupfer verhüttet. Die ganze Einrichtung fiel einem Brand zum Opfer – ein Glück für die Archäologen, denn so blieben die verkohlten Hölzer außergewöhnlich gut erhalten. Unter normalen Umständen wären sie in den vergangenen dreitausend Jahren längst verrottet.
Der Fundplatz von Prigglitz-Gasteil zählt zu den größten und bedeutendsten Bergbausiedlungen in Niederösterreich. An der Auswertung der Ausgrabungen sind zahlreiche Spezialisten beteiligt: Archäozoologen vom Naturhistorischen Museum Wien untersuchen die gefundenen Tierknochen. Botaniker von der Universität für Bodenkultur bestimmen die verkohlten Getreidereste und Holzkohlen. Der Geologe Günther Weixelberger aus Pitten analysiert die Zusammensetzung der Bergbauhalden. Die Geophysikerin Elisabeth Schnepp von der Montanuni Leoben entnahm Proben zur genauen Datierung der gefundenen Öfen.
Für Interessierte besteht am Sonntag, den 14. August 2011 die Möglichkeit, die Ausgrabungen zu besichtigen. Der „Tag der offenen Tür“ beginnt um 16 Uhr (Treffpunkt: Parkplatz Galerie Gut Gasteil). Bei einer kurzen Wanderung zur Fundstelle erläutert der Grabungsleiter Dr. Peter Trebsche die neuen Entdeckungen. Um 18 Uhr besteht anschließend die seltene Gelegenheit, einen historischen Dokumentarfilm über Ausgrabungen in Prein an der Rax aus dem Jahr 1953 zu sehen.